
Leutesheim Neu
Die Vergangenheit unsres Kleinen Ortes
Leutesheim wurde im Jahr 1233 unter dem Namen „Lutensheim“ erstmals urkundlich erwähnt und ist heute ein geschichtsträchtiger Stadtteil von Kehl im Ortenaukreis. Die Lage des ursprünglichen Dorfes war eng mit der Dynamik des Rheins verbunden: Da im 15. Jahrhundert ein Rheingebiet als „das alte Lutißheim“ bezeichnet wurde, geht die Geschichtsforschung davon aus, dass der Ort nach einer historischen Verlagerung des Rheinlaufs im 14. Jahrhundert neu gegründet werden musste. Zunächst im direkten Besitz der Straßburger Kirche, ging Leutesheim Ende des 13. Jahrhunderts als Lehen an die Herren von Lichtenberg über und fiel später an die Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Schwere Zerstörungen erlitt die Siedlung im Jahr 1429 durch einen militärischen Konflikt mit der Stadt Straßburg.
Über Jahrhunderte war das dörfliche Leben stark von der Landwirtschaft geprägt. Neben der Viehzucht und einer ausgeprägten Fischerei bildeten insbesondere der arbeitsintensive Hanf- und spätere Tabakanbau das wirtschaftliche Fundament des Ortes. Ähnlich wie in Goldscheuer versuchten die Einwohner über lange Zeit ihr Glück bei der Goldwäscherei im Rheinsand. Das historische Erbe spiegelt sich bis heute im Dorfbild wider: Leutesheim besitzt eine der wenigen gut erhaltenen spätmittelalterlichen Chorturmkirchen in der Region sowie die drei typischen regionalen Fachwerkhaustypen. Nach dem Übergang an das Großherzogtum Baden im Jahr 1803 bewahrte die Gemeinde lange Zeit ihre administrative Eigenständigkeit. Trotz spürbarem lokalem Widerstand endete diese Unabhängigkeit im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform, als Leutesheim am 1. Januar 1975 offiziell nach Kehl eingemeindet wurde. Heute engagiert sich unter anderem der Verein Aktives Dorf Leutesheim dafür, die Erinnerungen an die Vergangenheit und historische Dorfprotokolle für die Nachwelt zu sichern.
